Weltfrauentag 2019
DER SPIEGEL








Wegen ihr gibt es den Frauentag: Clara Zetkin (1857 - 1933) legte 1910 den Grundstein für den heutigen Feiertag. Auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz sprach sich die deutsche Politikerin für die Einführung eines jährlich stattfindenden Internationalen Frauentags aus, der die Solidarität der Frauen stärken sollte. Erstmals fand er am 19. März 1911 statt, seit 1921 wird er am 8. März gefeiert. Die 1857 in Sachsen geborene Zetkin war zunächst in der SPD aktiv und wechselte später in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Die Aktivistin forderte insbesondere Gleichberechtigung in Bezahlung, Wahlrecht, Bildung und Lohn.






Keine Korsetts mehr, kürzere Röcke und Pumphosen: So stellte sich Amelia Bloomer (1818 - 1894) die Frauenmode der Zukunft vor. Insbesondere durch die luftigen, weiten Hosen, die nach ihr "Bloomers" benannt wurden, sollten Frauen mehr Bewegungsfreiheit bekommen und so auch mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Angeblich kamen die vom Orient inspirierten Hosen bei Frauenrechtlerinnen gut an - in der breiten Öffentlichkeit damals leider überhaupt nicht: Weil sie für ihre Ideen in der Öffentlichkeit viel Hohn und Spott erntete, erklärte sie ihre Reform nach zehn Jahren für gescheitert.






Lange stand Bertha Benz (1849 - 1944) im Schatten ihres Mannes Carl Benz, der das erste Automobil erfand. Doch heute ist klar: Bertha hatte maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg des Verkehrsmittels. Zum einen ermöglichte sie es ihrem mittellosen Mann finanziell, weiter an seinem Traum von einem Fahrzeug ohne Pferde zu arbeiten - sie überzeugte ihren Vater, die Mitgift und einen Anteil des Erbes vorzustrecken und trieb immer wieder Darlehen auf. Zum anderen schrieb sie im August 1888 Weltgeschichte, weil sie sich als erste Person überhaupt traute, mit dem Auto eine Fernfahrt anzutreten - und entwickelte auf der Reise unter anderem Bremsbeläge.






Die ehemalige guatemaltekische Generalstaatsanwältin Thelma Esperanza Aldana Hernández de López - kurz Thelma Aldana (*1955) - schreckt vor nichts zurück: Die Juristin setzte sich in ihrer Karriere für die Rechte von Frauen, Minderheiten und der indigenen Bevölkerung ein und deckte kriminelle Netzwerke und Korruption im Land auf. Dabei ermittelte sie sogar gegen den inzwischen inhaftierten Präsidenten Otto Pérez Molina und andere Regierungsmitglieder. Für den Einsatz gegen Korruption und Machtmissbrauch wurde sie 2018 gemeinsam mit Iván Velásquez mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.






Die Ägypterin Sérénade Chafik (*1965) wanderte nach der Scheidung von ihrem Ehemann nach Frankreich aus, in Europa heiratete sie einen Franzosen. Doch das bedeutete, dass sie ihre Tochter Laila beim Vater in Kairo zurücklassen musste - denn gemäß der Scharia muss eine ägyptische Frau auf ihre Kinder verzichten, heiratet sie noch einmal. Als ihr Ex-Mann die Tochter beschneiden lassen will, wendet sich Chafik an die französischen Behörden und tritt 2003 in den Hungerstreik. Sie engagiert sich für die Rechte von Frauen und schreibt Artikel über die Trennung von Kirche und Staat, Gewalt gegen Frauen und Beschneidungen.






Der Kampf gegen Aids war die Lebensaufgabe von Mathilde Krim (1926 - 2018). Als die ersten Fälle der Immunschwächeerkrankung in den Achtzigern bekannt wurden, nahm sich die Genetikerin und Virologin ihnen an. Im April 1983 gründete sie in New York die Aids Medical Foundation´, die erste private Organisation, die sich der Förderung der Aids-Forschung und der Entstigmatisierung der Krankheit verschrieb. Zuvor arbeitete Krim in Israel und New York an der Krebsforschung. 2000 verlieh ihr der damalige US-Präsident Bill Clinton die höchste zivile Auszeichnung der USA, die Presidential Medal of Freedom.






Ein bewegtes Leben führte die US-amerikanische Schriftstellerin Maya Angelou (1928 - 2014). Mit acht Jahren wurde sie vom Freund ihrer Mutter vergewaltigt. Daraufhin blieb sie fünf Jahre lang stumm - bis sie ihre Liebe zu Büchern und Poesie entdeckte und ihre Stimme wiederfand. Später wurde sie die erste schwarze Straßenbahnschaffnerin San Franciscos und arbeitete dann zunehmend erfolgreich als Sängerin und Tänzerin. Nach einer Europatour mit dem Musical "Porgy and Bess" kehrte sie in die USA zurück und begann mit dem Schreiben. Sieben Bücher umfasst allein ihre Autobiografie, eine Geschichte über Rassentrennung und Widerstand. Angelou bewegte mit ihrer Literatur sogar die höchste Ebene der Politik: Bei der Amtseinführung des Präsidenten Bill Clinton trug sie ihr Gedicht "On the Pulse of Morning" vor.






Gertrude Belle Elion (1918 - 1999) gilt als Pionierin der Chemotherapie. Als sie ein Teenager war, starb ihr Großvater an Krebs. Daraufhin beschloss die US-Amerikanerin, an Heilungsmethoden zu forschen. Nach einem Bachelor- und Master-Studium der Chemie entwickelte sie als Laborassistentin bei einem britischen Arzneimittelunternehmen mit Kollegen unter anderem das Arzneimittel Mercaptopurin, mit dem Leukämie behandelt werden kann. Für ihre Erfolge wurden sie mit einem Nobelpreis ausgezeichnet.






Frauen haben es im Männerfußball schwer: Das erlebte auch die ehemalige Schiedsrichterin Nicole Petignat (*1966), die über die Frauen- und die Männerligen richtete. Obwohl sie schon lange vor der bekannten deutschen Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus zwischen 1999 und 2008 Erstliga-Spiele in ihrer Schweizer Heimat pfiff, war sie bis zu ihrem Rücktritt sexistischer Kritik der Medien und der Fans ausgesetzt. Als erste Frau der Welt pfiff Petignat unter anderem am 14. August 2003 ein UEFA-Europacup-Spiel der Männer.







Sie wird oft als Lady Gaga der Zwanzigerjahre bezeichnet: Die Dadaismus-Künstlerin Elsa von Freytag-Loringhoven (1874 - 1927) fiel durch verrückte Kleidung auf. Zum Beispiel nutzte sie Tomatendosen als BH und befestigte Rücklichter an ihrem Po. Doch anders als die Grammy-Gewinnerin sang von Freytag-Loringhoven nicht, sondern etablierte sich mit provokativen Malereien, Gedichten und mit ihren Auftritten als wandelndes Kunstwerk. Außerdem gibt es unter Kunsthistorikern die Vermutung, dass die "Baroness Dada" hinter dem Ready-made "Fountain" steckt: ein handelsübliches Pissoir, das zu den Schlüsselwerken der modernen Kunst zählt. Bislang gilt Marcel Duchamp als Urheber.



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