Welcher Kaffeetrinker sind Sie?
Im vergangenen Jahr trank jeder Deutsche im Schnitt 164 Liter Kaffee, wie der Deutsche Kaffeeverband mitteilte. Die Nummer eins blieb dabei der klassische, gemahlene Filterkaffee - mit einem Marktanteil von 57 Prozent. Latte Macchiato und Cappuccino können auf der Beliebtheitsskala nicht mithalten. Doch nicht nur die Kaffeegetränke sind unterschiedlich, sondern auch die Art, sie zu konsumieren. Welcher steht Ihnen am nächsten?

Veröffentlicht in DER SPIEGEL
Text von Matthias Kaufmann und Heike Klovert
Illustrationen von Lina Moreno



Die Kaffeeholikerin (homo coffeiniensis Ultimatum) trinkt zwei Tassen Filterkaffee und einen Mokka, bevor sie morgens den ersten Schluck Wasser zu sich nimmt. Wann immer Sie dieser Kollegin begegnen, ist sie kaffeehigh. Seien Sie froh. Morgens direkt nach dem Aufstehen ist es zwischenmenschlich schwierig mit ihr. Wenn ihr Mann es sich zeitlich erlauben kann, bleibt er liegen, bis er das heulende Mahlen der Kaffeemaschine in der Küche hört. Auch alle Kollegen wissen: Hat sie ihren Koffeinspiegel erreicht, ist sie eigentlich ganz nett. ​​​​​​​

Kennzeichen: Gelbe Zähne und Mundgeruch
Natürlicher Feind: Der Putzdienst, wenn er mit dem Entkalkungsmittel für die Kaffeemaschine anrückt
Natürlicher Nutzen: Vernichtet auch solche Kaffeereste, die den ganzen Vormittag auf der Warmhalteplatte verdichtet wurden


Das Zuckerschnäuzchen (homo coffeiniensis saccharum) konsumiert Kaffee wie eine Mahlzeit: mit doppelt Zucker und dreifach Milch. Kaffee erfüllt bei ihm nicht den Zweck, den Kreislauf anzuregen. Er füllt das Loch, das andere nachmittags mit einem Schokoriegel stopfen. Ist für Smalltalk in der Kaffeeküche mäßig geeignet, weil er meistens dort aufschlägt, wenn sich die großen Massen schon verlaufen haben.

Kennzeichen: Ist etwas mollig und lehnt auch einen Keks oder ein Stück Kuchen selten ab
Natürlicher Feind: Insulin
Natürlicher Nutzen: Ist der Einzige, der die trockenen Kaffeekekse aufisst. Weil er sie wirklich, wirklich gern mag


Der Camouflagetrinker (homo coffeiniensis alcoholis) trinkt gern mal einen Korn oder zwei. Und nach der Frühstückspause wieder. Weil aber Alkohol in modernen Unternehmen verpönt ist, gießt er immer ein Schlückchen schwarzen Kaffee dazu in die Tasse. Klingt fies, aber weil sein Selbstgebrannter ganz schön stark ist, fällt's im Geschmack gar nicht groß auf. Natürlich wissen alle Kollegen Bescheid, aber sie mögen ihn und halten deshalb dicht.

Kennzeichen: Wenn man nicht in Duftweite ist - keine
Natürlicher Feind: Der nächste Geschäftsführer, der vielleicht kein Auge mehr zudrückt
Natürlicher Nutzen: Hat für alle Sorgen ein offenes Ohr bei einem Tässchen "Kaffee"


Die Filterblasenkonsumentin (homo coffeiniensis normalo) kann ganzen Bohnen und Kapseln nichts abgewinnen und aufgeschäumter Milch schon gar nicht. Weiß auch gar nicht, wie man die 10.000-Euro-Maschine in der Kaffeeküche bedient und will es auch nicht lernen. Bringt täglich ihre eigene Thermoskanne mit ins Büro, die das Gesöff darin bis zum späten Nachmittag immerhin lauwarm hält.

Kennzeichen: fortgeschrittenes Alter und Untertasse mit Blümchenmuster
Natürlicher Feind: Die Kollegen, die bei ihr Schlange stehen, wenn die 10.000-Euro-Maschine mal wieder spinnt
Natürlicher Nutzen: Hat für oben beschriebenen Fall immer eine Thermoskanne dabei


Der Gruppendrucktrinker (homo coffeiniensis opportunum) mag eigentlich keinen Kaffee. Aber er schafft es nicht, das im Büro zuzugeben. Spätestens wenn die Kollegen nach dem Mittagessen an den Kaffeeautomaten pilgern, trottet er hinterher, um nicht als Außenseiter zu gelten. Hat schon zu Schulzeiten nur geraucht, um dabei zu sein. An guten Tagen zieht er sich aus dem Automaten einen Tee, an schlechten einen Latte Macchiato. Mit extra Milchschaum.

Kennzeichen: Hat meistens eine halbe Tasse kalten Kaffee auf dem Schreibtisch stehen, die von einer seiner Mittagspausen übrig ist und langsam Schimmel ansetzt.
Natürlicher Feind: Kaffee
Natürlicher Nutzen: Hält das Gespräch am Automaten am Laufen - denn deshalb ist er ja eigentlich da


Der Herzkranzkoffeinist (homo coffeiniensis coronaris) hält Herzinfarkt nicht für ein Gesundheitsrisiko, sondern für einen Lebensstil. Kaffee ist bei ihm in der Regel tiefschwarz und hoch dosiert. Er kippt mehrmals am Tag einen Espresso in seine linke Herzkammer. Stets eilt er hyperaktiv durch die Flure und trommelt bei Meetings mit seinen Knöcheln auf den Tisch. Mittags erzählt er gern von seinem Rennrad in der Garage, das er am Wochenende wieder spazieren fahren will.

Kennzeichen: Hagerer Körperbau und zuckende Augenlider
Natürlicher Feind: Sein Kardiologe, der ihm das alles schon seit Jahren ausreden will
Natürlicher Nutzen: Der letzte Klinikaufenthalt hat seinem Kardiologen den Maserati finanziert


Die Kaffeeverkosterin (homo coffeiniensis hypersensibilis) rümpft über das Automatengebräu aus der Büromaschine die Nase und genehmigt sich ausschließlich samstags und sonntags einen Cappuccino bei ihrem Lieblingscafé um die Ecke. Das mahlt von Katzen vorverdaute Bohnen, die nach Demeter-Standard angebaut werden, und schäumt schonend organische Landmilch auf. Sie ist Stammgast in dem Café, auch weil sie dort mit Sicherheit ihre Chefs nicht trifft.

Kennzeichen: Mitleidiger Blick, wann immer sie an der Kaffeeküche im Büro vorbeikommt. Engagiert sich in der Freizeit für die artgerechte Züchtung von Bachblüten
Natürlicher Feind: Wo soll man anfangen?
Natürlicher Nutzen: Weiß als Einzige einen guten Kaffee zu schätzen


Der Lactosegeplagte (homo coffeiniensis allergikum) würde gern literweise Latte Macchiato trinken, kann aber nicht ohne Weiteres, weil er keine Milch verträgt. Kommt morgens oft zu spät, weil er im Café neben der Firma ansteht, das für 4,99 Euro Latte mit Sojamilch zubereitet. Für Klausur- und Konferenztage, an denen der vegane Kaffeenachschub schwierig zu gewährleisten ist, hat er Tabletten gegen die Magenprobleme dabei. Vergisst aber oft, sie einzunehmen, und fehlt dann in der zweiten Tageshälfte.

Kennzeichen: Bringt aus jedem Urlaub neue Horrorstorys von Restauranterlebnissen mit. Leidet unter Blähbauch.
Natürlicher Feind: Der Pumpenschlauch am Kaffeeautomaten im Büro. Er würde sich ja schwarzen Kaffee zubereiten und seine mitgebrachte Hafermilch dazugießen. Aber der Schlauch starrt vor alten Milchresten.
Natürlicher Nutzen: Wenn er verzweifelt ist, reinigt er den Pumpenschlauch dann doch - was sonst niemand macht. Ohne seine Einsätze am Pumpenschlauch wäre die halbe Belegschaft wohl längst an einer Pilzvergiftung gestorben


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